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Freitag, 12. Oktober 2012

Kulinarische Genüsse - Eibenmarmelade

Die Europäische Eibe (Taxus baccata) hat weithin einen üblen Ruf als Giftpflanze - zu Recht.
Alle Bestandteile dieses Baumes sind giftig. Alle? Nicht ganz! 
Der rote Samenmantel (ohne Samen!), der jetzt im Herbst leuchted ins Auge fällt, ist genießbar.

Ein ehemaliger Kollege brachte letztes Jahr selbstgemachtes Eibengelee mit. Ärgerlicherweise traute ich mich damals jedoch nicht, zu kosten...
Scherzhaft sagte er damals "man solle lieber die Kerne mitzählen, die man isst" - um es später dem Notarzt berichten zu können.

Diese Anekdote hätte ich wohl lieber nicht zum besten geben sollen; kaum erzählt war auch schon die fixe Idee aufgekommen das doch auch einmal zu probieren.
Hier also der Erfahrungsbericht für:

Eibenmarmelade

 

Die appetitlich aussehenden Beeren schmecken wenig aromatisch, machen dies aber durch eine einmalige Süße wett.

Morgens um halb 9 brachen wir auf. Schon am Vortag war ein Baum mit sehr schönen großen Beeren ausgemacht, den wir plünderten. Das Pflücken ist hierbei bei weitem die geringste Arbeit, schnell hatten wir eine Menge gesammelt.

Schritt zwei ist das Waschen und natürlich gründliche Entkernen(!) der Beeren.
Das Entkernen ist mit einem Wort beschreibbar: frustrierend.
Bei der Recherche im Internet findet man zwar Warnungen vor Gift u.s.w., aber leider keinen einzigen Hinweis auf die mörderische Arbeit die darinsteckt.

Eibenbeeren bestehen etwa zur Hälfte aus ihrem Kern und sind sie einmal zerdrückt, werden sie zu Schleim (andrücken reicht auch schon). Was anfangs als faszinierend und amüsant wahrgenommen wird, stellt spätestens nach 10 Minuten ein Ärgernis ohnegleichen dar.

Wir entfremdeten meine Ikea Sommar Eisförmchen, die im Stiel ein Loch haben, duch das man die Beere drückt und damit Fruchtfleisch vom Kern trennt. Seltsames Verfahren, aber in unserer Verzweiflung erschien es als die beste Methode... Je kleiner die Beeren, desto schwieriger ist es allerdings.

Nach 5 Stunden harter Arbeit hatten wir unsere Eibenbeeren entkernt, etwa 550g Früchte waren das Ergebnis. Gestreckt mit einem Apfel wurde das ganze mit Gelierzucker zu Marmelade gekocht.

2 1/2 Gläser des wertvollen Endprodukts stehen nun auf meinem Küchentisch und warten auf eine Kostprobe. Bislang waren wir noch zu ängstlich... Eine Fortsetzung folgt in Kürze (wenn wir noch leben...!)

Fazit


Lasst es einfach bleiben.

Erspart euch den ganzen Frust, die ganze Zeit die man benötigt und den Matsch in der gesamten Küche.
Eigene Erfahrungen, Ratschläge, Hinweise und Hilfe sind allerdings jederzeit erwünscht!


Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins... ach nein.



Kommentare:

  1. Hallo Lina,
    ich bin leidenschaftlicher Baumschulgärtner und habe immer wieder im Herbst die Gelegenheit Eibenfrüchte zu naschen. Dein Versuch, Marmelade herzustellen, imponiert mir - den Gedanken hatte ich ab und an schon. Aufgrund deiner Erfahrung werde ich den Schritt Eibenbeeren in die Küche zu bringen wohl nicht tätigen.
    Als Fazit schreibst du, dass man es bleiben lassen soll. Geschmack keines, nur süß? Ich finde die Früchte schon aromatisch, wennauch schwach. Eventuell vergeht das Aroma beim Erhitzen.
    Wer weiß, vielleicht doch Eibenfrüchte in kalte Speisen integrieren?

    Gruß Philip

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  2. Hallo Lina und Philip
    Ich will es auch unbedingt mal versuchen Eibenmarmelada herzustellen.
    Die Samenmantel essse ich auch oft und gerne.

    Besser entkernen:
    Gestern habe ich fest gestellt, das sich die Kerne viel besser lösen lassen im Mund! ;)
    Ich nehme an es hat damit zu tun das die Beeren bald vom Baum fallen und deshalb löst sich der Kern langsam von selbst.
    Bei meiner Entdeckung war bereits Mitte Oktober.
    Versucht es mal!

    Die Beeren würde ich weniger erhitzen und dafür länger um so weniger Aroma zu verlieren.
    Das braucht evtl. Ein Paar Versuche.

    Ich werde es die Zage mal versuchen.

    Gruss
    Andi

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